Wenn der Bauch beim Lernen mitredet & das Verhalten deines Kindes beeinflusst

Als Kinesiologin und Ernährungsberaterin teste ich bei Kindern, die mit Lern- und Verhaltensproblemen in meine pädagogische Praxis kommen, immer wieder eine Glutensensitivität aus. Diese Nachricht weiterzugeben, fällt mir nicht immer leicht. Eine glutenfreie Ernährung ist im Alltag eine echte Umstellung, vor allem wenn sie auch gesund sein soll. Die meisten glutenfreien Ersatzprodukte bestehen aus Reis und Mais und tun weder dem Darm noch dem Blutzuckerspiegel besonders gut.
Als Mutter von zwei glutensensitiven Kindern kenne ich die Herausforderungen einer solchen Umstellung nur allzu gut. Ich kenne also beide Seiten, die fachliche und die ganz praktische am Küchentisch. Trotzdem ist es fast immer nötig, Gluten über einen längeren Zeitraum konsequent wegzulassen, damit sich Nervensystem und Darm des Kindes erholen können.
Die gute Nachricht: Viele Eltern bemerken schon nach einigen Wochen, dass ihr Kind ruhiger wird und sich besser konzentrieren kann. Genau diese ersten Veränderungen geben ihnen die Kraft, dranzubleiben, wenn es zwischendurch mühsam wird.
Was Gluten mit Unruhe, Konzentration und Bewegung zu tun haben
Manche Kinder kommen einfach nicht zur Ruhe. Sie zappeln, verlieren den Faden, sind schnell gereizt. Oft klagen sie nebenbei über Bauchweh, schlafen schlecht oder wirken müde, obwohl sie genug geschlafen haben. Meist suchen wir die Ursache im Kopf oder im Verhalten. Manchmal lohnt sich ein Blick auf den Teller.
Der schwedische Psychiater Dr. Harald Blomberg hat das Rhythmische Bewegungstraining (RMT) entwickelt. Dabei werden frühkindliche Reflexe mit sanften, wiegenden Bewegungen integriert, so wie Babys sich ganz von selbst bewegen. Vielen Kindern hilft das sehr, bei der Motorik, bei der Aufmerksamkeit und auch beim Lesen und Schreiben.
Blomberg hat aber gemerkt, dass manche Jugendliche, mit denen er an einer Internatsschule gearbeitet hat, kaum Fortschritte machten. Also hat er ihre Ernährung umgestellt und Gluten und Kasein (Milcheiweiß) weggelassen. Viele von ihnen wurden ruhiger und konnten ihre Impulse besser steuern.
Für ihn war danach klar: Solange das Nervensystem ständig gereizt ist, kann die Bewegungsarbeit nicht richtig wirken. Seine Erfahrungen hat er in einem kleinen Buch zusammengefasst, Glutenbedingte Störungen bei Kindern und Erwachsenen.
Gluten ist nicht gleich Gluten
Gluten steckt in Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste. Und der Körper kann ganz unterschiedlich darauf reagieren. Manche Menschen haben eine echte Weizenallergie, die sich an der Haut, an den Atemwegen oder im Darm zeigt. Andere haben Zöliakie, eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die Dünndarmschleimhaut entzündet. Und dann gibt es noch die Glutensensitivität: Der Körper reagiert, obwohl alle Tests unauffällig sind.
Wenn der Bauch gar nicht wehtut
Bei Zöliakie denken die meisten an Durchfall, einen aufgeblähten Bauch oder Probleme mit dem Gewicht. Bei ungefähr der Hälfte der Betroffenen ist der Bauch aber gar nicht das Thema. Sie sind ständig müde, haben Kopfweh, eine Blutarmut oder sind einfach nicht gut gelaunt. Bei Kindern merkt man manchmal nur, dass sie gereizter sind und in der Schule nachlassen.
Was das mit dem Nervensystem zu tun hat
Für meine ganzheitlich pädagogische & psychosoziale Arbeit finde ich diesen Punkt besonders spannend: Gluten kann bei empfindlichen Menschen das Kleinhirn beeinträchtigen. Und genau dort werden Gleichgewicht, Koordination und auch Teile der Sprache gesteuert. Blomberg erzählt von Kindern, deren Sprache und Motorik besser wurden, sobald sich die Ernährung verändert hatte, manchmal sogar, bevor die rhythmischen Übungen überhaupt begonnen hatten.
Das kenne ich aus meiner eigenen Arbeit nur allzu gut. Reflexe, Nervensystem und Darm hängen eng zusammen. Wenn ein Körper ständig mit einer stillen Entzündung beschäftigt ist, bleibt einfach weniger Kraft für Konzentration und Entwicklung.
Kein Test, aber viele Hinweise
Die Glutensensitivität kommt wahrscheinlich viel häufiger vor als die Zöliakie, nur lässt sie sich mit keinem Bluttest nachweisen. Hinweise können immer wiederkehrendes Bauch- oder Kopfweh sein, Müdigkeit, das Gefühl von „Nebel im Kopf“, Hautausschläge, Unruhe, Gereiztheit, eine gedrückte Stimmung oder Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.
Ob Gluten dahintersteckt, zeigt sich eigentlich nur, wenn man es eine Weile weglässt und genau hinschaut, was sich verändert. Gerade bei Kindern mit ADHS-typischen Auffälligkeiten hat Blomberg dabei oft deutliche Veränderungen im Verhalten beobachtet.
Wenn du es ausprobieren möchtest
Am Anfang hilft es, ein paar Wochen lang ein einfaches Tagebuch zu führen: Was hat mein Kind gegessen, wie war der Tag, wie der Schlaf, wie der Bauch?
Bevor du die Ernährung umstellst, lass beim Kinderarzt einen Zöliakie-Test machen. Der ist nämlich nur aussagekräftig, solange dein Kind noch Gluten isst.
Danach braucht es vor allem Geduld. Eine gluten- und kaseinfreie Phase sollte ruhig ein paar Monate dauern, damit man wirklich etwas sieht. Und ganz wichtig: nicht nur weglassen, sondern gut ersetzen. Kinder brauchen weiterhin genug Kalzium, Eisen und Energie. Auch ausreichend Ballaststoffe sind dabei wichtig. Mit einer guten Begleitung wird die Umstellung im Familienalltag auch machbar.
Signale statt Defizite
Unruhe, Bauchweh oder Konzentrationsprobleme haben nichts mit einem schwierigen Charakter zu tun. Es sind Signale eines Körpers, der uns etwas sagen möchte. Manchmal liegt ein Teil der Antwort im Nervensystem, manchmal im Darm und oft in beidem.
Wenn du das Gefühl hast, dass bei deinem Kind mehr dahintersteckt, dann melde dich gerne bei mir oder buche dir ein Ticket für eine der kommenden Veranstaltungen.
Gemeinsam schauen wir, was dein Kind gerade braucht.
Kommende Veranstaltungen:
20. November 2026: Start "LRS Gruppencoaching"
21. November 2026: "Kinesiologie Basic - Hilfe zur Selbsthilfe"
12. Dezember 2026: "ADHS 360 Grad"
Jänner 2027: Start Ausbildung zur Kinderkinesiologie





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